|
|
OF
THEE I SING Ein einfaches Hotelzimmermädchen bringt die Wahlkampfberater von Präsidentschaftskandidat John P. Wintergreen auf die zündende Idee: „Liebe“ lautet das Wahlprogramm, das Wintergreen 100 Prozent der Wählerstimmen einbringen soll. Glücklicherweise ist der Kandidat noch Junggeselle, und so wird flugs ein landesweiter Schönheitswettbewerb zur Findung von „Miss White House“ organisiert, aus dem Diana Deveraux aus Louisiana, die schönste Blume des Südens, als Gewinnerin und Gattin in spe hervorgeht. Dumm nur, dass sich Wintergreen Hals über Kopf in die junge, hübsche, auch in häuslichen Dingen erfahrene Wahlkampfhelferin Mary Turner verliebt hat. Dem außergewöhnlichen Wahlprogramm ist dies zunächst durchaus zuträglich: Mit Slogans wie „Gebt Wintergreen Euer Jawort“ oder „Wollt Ihr Liebe? Wählt John und Mary“ geht Wintergreen als strahlender Sieger aus der Wahl hervor, wird vor dem Kapitol in einem Aufwasch vereidigt und verehelicht und zieht als frischgebackener Präsident und Ehemann mit seiner geliebten Mary ins Weiße Haus. Doch die geknickte Blume des Südens, Diana Devereaux, pocht auf den ihr rechtmäßig zustehenden Preis und erfährt darin überraschende Unterstützung durch den französischen Botschafter, denn die Deveraux ist „die illegitime Tochter eines illegitimen Sohns eines illegitimen Neffen von Napoleon“! Nach allerlei bilateralen Verstimmungen und Regierungskrisen kommt es sogar zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten, das jedoch durch die überraschende Nachricht, dass sich die Präsidentengattin in anderen Umständen befindet, zu seinen Gunsten ausfällt, denn: „Dieses Land hat noch nie einen werdenden Vater seines Amtes enthoben!“ Was fast wie eine Persiflage der Clinton-Ära klingt, hat tatsächlich vor nicht weniger als 70 Jahren das Licht der Theaterwelt erblickt: Nur kurze Zeit nach ihrem vergnüglichen und vor allem dem Amüsement verpflichteten Musical Girl Crazy (die Vorlage für das spätere Crazy For You) lieferten die beiden Gershwin-Brüder mit dem überarbeiteten Strike Up The Band und Of Thee I Sing (Uraufführung 26. Dezember 1931, New York) zwei beißende Gesellschaftssatiren auf die Verlogenheit der Politik und ihrer Vertreter, die sich nur um das eigene Interesse scheren und denen zum Erreichen ihrer privaten Ziele jegliches Mittel recht ist, auch die Instrumentalisierung höchst intimer Angelegenheiten. Auch die musikalische Gestaltung ist der Satire verpflichtet: Schon die Eröffnungsmelodie „Wintergreen for President“ ist mit ihrer Verarbeitung alter amerikanischer Wahlschlager eine Parodie auf die herkömmliche Wahlpropaganda. Längere musikalische Sequenzen, die in abwechslungsreicher Form Solo- und Ensemblenummern neben fast rezitativischen Sprechgesang und musikunterlegtes Melodram stellen, weisen der Musik nicht nur berührende Stimmungsmomente zu, sondern fungieren ebenso als mitreißende, aktionsgeladene Handlungselemente dieses Musicals, das kein Geringerer als Leonard Bernstein als „einen Höhepunkt der amerikanischen Musikgeschichte“ bezeichnet hat. Text: Landestheater Linz Musiknummern Wintergreen
For President Hallo,
guten Morgen |
Diese Seite
ist Hauptseite |