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WEST
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STORY Fuldaer Zeitung Festspiele: «West Side Story» begeisterte (FÜNF STARS) BAD HERSFELD Glücklich schätzen dürfen sich alle, die rechtzeitig Eintrittskarten für die „West Side Story“ erworben haben, für die zweite Produktion der 49. Bad Hersfelder Festspiele, die eine umjubelte Premiere hatte. Glücklich, weil sie – ebenso wie das begeisterte Publikum am Dienstagabend – eine in allen Belangen vorzügliche und beeindruckende Aufführung genießen dürfen, bei der sich etliche Faktoren trefflich vereinen: eine temporeiche, rhythmisch perfekte, kluge und detailgenaue Inszenierung (Matthias Davids), bei der die Stiftsruine der Star ist; eine mitreißende, oft faszinierende Choreographie (Melissa King); ein erstklassiges Ensemble mit Künstlerinnen und Künstlern aus allen Erdteilen; ein Beinahe-Traumpaar als Tony (Christian Alexander Müller) und Maria (Leah Delos Santos) und ein Top-Orchester mit einem blutvoll-souveränen Leiter (Christoph Wohlleben). Vom Glück begünstigt waren natürlich auch Intendantin Elke Hesse und die städtische Festspielverwaltung, dass sie die Aufführungsrechte aushandeln konnten. Damit war die doppelte Premiere perfekt, dann das Erfolgsmusical von Arthur Laurents mit der genialen Musik von Leonard Bernstein ist erstmals in der Stiftsruine zu sehen. Allein die Ankündigung hatte dafür gesorgt, dass alle 30 Vorstellungen lange vor dem Festivalstart verkauft waren. Wer leer ausgegangen ist, der muss darauf hoffen, dass die „West Side Story“ vielleicht im kommenden Jahr erneut auf dem Spielplan steht. Bühne unter Wasser Mit dem Glück im Bunde stand am Dienstagabend auch das Ensemble: Nachdem drei Stunden vor Premierenbeginn ein Gewitterregen die Bühne unter Wasser gesetzt hatte, herrschten bei kühlen Temperaturen akzeptable Aufführungsbedingungen. Weshalb besonders Melissa King erleichtert gewesen sein dürfte, denn das Ensemble konnte ihre fantasievoll-dynamischen Choreographien vortrefflich präsentieren. Dazu gab es genügend Raum, denn Matthias Davids und sein Bühnenbildner Heinz Hauser vertrauten der Kraft und Magie des gewaltigen Bühnenhauses und setzten zu den romanischen Bögen lediglich zwei Gegenpole: halbrunde, schräg ansteigende Gitterwände, die vom Ensemble verschoben wurden und die verschiedenen Handlungsorte klar kennzeichneten. Eine ausfahrbare Straßenmarkierung wurde zum berühmten Balkon für Tony und Maria, die Zwillingsgeschwister von Romeo und Julia. Denn die „West Side Story“ überträgt Shakespeares Tragödie ins New York der 50er Jahre. Dorthin führte auch die Zeitreise von Regisseur Davids, denn er ist davon überzeugt, die Vorlage nicht in die Gegenwart transportieren zu können. Seine im Wechsel von Dramatik und Lyrik fein austarierte Inszenierung erzählte die stets aktuelle Geschichte von jungen Menschen, die keine Vorbilder haben, die einer immerwährenden Ziel- und Hoffnungslosigkeit ausgeliefert sind. Dazu gesellte sich das Schauspiel von der tödlichen Macht des Vorurteils und von der fatalen Illusion, dass nur die Gruppe Existenz bedeutet. Zudem erlebte man das Drama der großen Liebe zweier junger Leute, die vom Räderwerk der Gewalt zerrieben werden. Die Aufführung vermittelte präzise und schonungslos das Lebensgefühl einer chancenlosen Generation, und reichte im Emotionsspektrum von Zärtlichkeit und Liebe bis zu Brutalität und Hass. Dabei kamen Humor und Witz, vor allem in den Tanzszenen, nicht zu kurz. Zehn Minuten Schlussbeifall Im Zentrum einer winzigen Welt, deren Atmosphäre geprägt wird von mühsam gezügelter Leidenschaft und von Sehnsucht nach Geborgenheit, stand die zerbrechlich-kraftvolle Maria, anrührend gespielt und mit innigem Sopran gesungen von Leah Delos Santos, der Alrun in zwei Serien des „Bonifatius“-Musicals im Fuldaer Schlosstheater. Bestens bei Stimme war auch Christian Alexander Müller, dessen schlanker, höhensicherer Tenor den Tony beinahe stärker prägte als seine eher zurückhaltende Darstellung. Idealbesetzungen gelangen mit der temperamentvollen, stimmimposanten Maaike Schuurmans als Anita, mit Philippe Ducloux und Nivaldo Allves als Bandenbosse Riff und Bernardo. Auffällig auch Frank Buchwald als Schrank, ein magerer Kojak, und Manfred Stella als handfester Doc. Sie und das gesamte Ensemble wurden beflügelt von Wohlleben mit seinem Orchester, die sich der zwischen Symphonie, italienischer Oper, Folklore und Jazz changierenden Musik beherzt-sensibel annahmen. Über zehn Minuten lang währte der Schlussbeifall, was sich gewiss in den folgenden Aufführungen wiederholen wird. Alle Kartenbesitzer können ihre Vorfreude auf die „West Side Story“ vokal kundtun mit dem leicht veränderten Amerika-Song: „I want to be in der Lullusstadt...“ Von unserem Redakteur Christoph A. Brandner |
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