West Side Story

Premiere: 6. Oktober 2001
Landestheater Linz  

Kritiken

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Der Standard, 9.10.01 

Explosion der Emotionen

Jubel um Leonard Bernstein "West Side Story" am Linzer Landestheater

Matthias Davids trifft mit seiner Inszenierung den Kern der sozialen und ethnischen Explosivität des Sujets. Eine coolere Dialogfassung, kurz aufblitzendes Disco-Fieber der Achtziger, ein stilisierter Bühnenraum mit obligatem Gitter, eine Legebatterie von weißen Brautkleidern, ein fahrbares Gerüst und ein Hubstapler (Ausstattung: Knut Hetzer). Zudem ein choreographisches, tänzerisch fulminantes Patchwork aus den letzten Jahrzehnten inklusive klassischer Einsprengsel (Melissa King): Elemente einer zeitlichen Neutralisierung des Bandenkrieges ohne Verlust an inhaltlicher Aussagekraft. 

Der geniale musikalische Wurf ist so nahe am und gleichzeitig so unabhängig vom inhaltlichen Geschehen, dass er zweifellos jenseits aller aktuellen Moden angesiedelt ist. Davies öffnet den klanglich, rhythmisch und emotionell multikulturellen Mikrokosmos aus der New Yorker West Side zu einem expressiven, globalen Aufschrei gegen Rassenwahn und Vorurteile.

Großartig agiert auch das homogene, multikulturell besetzte Ensemble: Allen voran Robin Adams (Tony), Arantxa Armentia (Maria) und Tracy Plester (Anita). Die tänzerisch und spielerisch alles gebenden Jets und Sharks brachten auch die Songs mit großem Einsatz und allesamt ohne elektronische Verstärkung ans Publikum.

OÖ-Nachrichten, F. Schwabeneder, 8.10.01 

Was hier an Theaterkunst möglich ist

Weltklasse: Begeisterungsstürme für Bernsteins "West Side Story" im Linzer Landestheater

Dass sich die Umsetzung der Romeo-und-Julia-Geschichte in New Yorks Hinterhöfen zu einem der glanzvollsten Ereignisse der letzten Linzer Theaterjahre entwickelt hat, ist Ergebnis des Zusammenspiels künstlerischer Kräfte des Hauses und exzellenter Gastverpflichtungen. Herz der musikalischen Sternstunde: Dennis Russell Davies (...) Konzentrierte Gelassenheit und sprühende Explosion, gekoppelt mit akustischer Sensibilität und mit der Bühne so abgestimmt, dass in beglückender Weise auf Mikro-Verstärkung zu verzichten war.

(...) Die rivalisierenden Gangs der Jets und der Sharks wurden von der Choreographin Melissa King wie ein Instrument der Aggression, Artistik, Rhythmik, Sinnlichkeit und Komik gestimmt. Tanzfaszination, dazu Stimme und Spiel. (...)

Der Regisseur Matthias Davids hat die Geschichte um eine todgeweihte Liebe im Dschungel der Großstadt und im Klima des Rassenhasses mit der reichen Skala der großen Gefühle versehen: dumpfe Bedrohlichkeit, überschäumende Lebensfreude, Romantik und auch keine Scheu vor dem Sentimentalen. (...) Spiel und Ausstattung biedern sich aber keinesfalls an eine modische Jugendszene an.

Die Bühne von Knut Hetzer ist von eindrucksvoller Zeitlosigkeit: ein ausgeräumtes staubgraues Lagerhaus möglicherweise, ein riesiges vorgehängtes und hochfahrbares Gitter; Ausweglosigkeit und Zuhause gleichermaßen. Perfekter Spielraum für rasche Szenenwechsel.

Neues Volksblatt, A. Hutter, 8.10.01 

Viel Drive und Pep an der Linzer West Side

Gelungene Premiere von Bernsteins Musicalklassiker 

Ein Holzpflock, wer hier nicht gerührt ist. (...) Bernsteins "Romeo und Julia"-Adaption vermag nach wie vor in den Bann zu ziehen. Erst recht wenn sie mit Zeichen der modernen Zeit versehen wird. Dies ist Regisseur Matthias Davids in seiner kraftvollen Inszenierung gelungen.  (...)

Melissa King hat eine Choreografie mit frappantem Bewegungsreichtum geschaffen. (...) Originell und funktionell das gesamte Bühnenbild (Ausstattung: Knut Hetzer), das sich mittels einfachster Requisiten vom Hinterhof in alles Mögliche verwandelt: Die Kleider aus dem Brautladen etwa halten, an die Decke gezogen und farbig illuminiert, gleichzeitig als effektvolle Tanzsaal-Beleuchtung her. 

Musikalisch ist die Handschrift von Dennis Russell Davies unverkennbar. Als Wahl-New Yorker hat er das Stück seines Freundes "Lenny" gleichsam mit der Muttermilch aufgesogen. (...)

Eindrucksvoll das Schlussbild, in dem Theaterregen das Pathos in Tonys Sterbeszene verstärkt.

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