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WEISSEN RÖSSL „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden …“ – Wer kennt ihn nicht, den ebenso eifrigen wie unsterblich in seine Arbeitgeberin, die Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber, verliebten Zahlkellner Leopold? Erik Charell, Ende der 1920er Jahre einer der erfolgreichsten Revue-Produzenten Berlins, hat gemeinsam mit den von ihm engagierten Autoren und Komponisten (von denen Ralph Benatzky den größten Teil beisteuerte) den Angestellten und Besuchern des „Weißen Rössls“ am Wolfgangsee in der weltberühmten Revue-Operette theatralische Unsterblichkeit verliehen. Und doch ist die Rezeptionsgeschichte des Weißen Rössls letztlich von einem großen Missverständnis gekennzeichnet: Denn einem breitem Publikum hat sich die kabarettistisch-satirische Revue-Operette aus dem Jahre 1930 – nicht zuletzt aufgrund der allzu bekannten Verfilmung mit Peter Alexander und Waltraud Haas aus dem Jahre 1960 – eher als eine Biederkeit atmende Heimatfilm-Schnulze eingeprägt. Freilich ist die Geschichte vom Zahlkellner Leopold und dessen zunächst unerfüllter Liebe zur Rössl-Wirtin nicht frei von Sentimentalitäten. Doch Benatzky & Kollegen hatten Geschmack genug, nicht in den Untiefen des Kitsches zu versinken und sowohl Handlung als auch Musik immer wieder augenzwinkernd zu brechen. Da badet sich Leopold schmachtend in seinem leidenschaftlich vorgetragenen „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“ – und die so Angesungene holt ihn barsch wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurück: „Ihr Herz, das ist mir ganz wurscht, aber drinnen, die Gäst’ haben Durscht!“ Und auch das mit Hingabe, vom Jodeln bis zum originalen Volkslied zelebrierte Österreichbild erweist sich letztlich als klischeehafter Verkaufsschlager, der den an- und abreisenden Touristen mit dem stets wiederholten Werbeslogan „Im Weißen Rössl am Wolfgangssee, da steht das Glück vor der Tür!“ im Walzerrhythmus untergejubelt und im Marschrhythmus eingehämmert wird. Die touristische Suche nach Erholung in „gesunder Natur“ trägt in ihrer kaum erholsam zu nennenden, gehetzten Zwanghaftigkeit durchaus zeitlose Züge. Doch bei aller Satire schmähen weder Ralph Benatzky noch seine Co-Autoren die ungern eingestandene, letztlich aber uns allen nicht unbekannte Sehnsucht nach einem kleinen Stück vom Paradies, nach der einsamen Insel mit malerischem Sandstrand – oder eben nach der Einen, der „Richtigen“: „Es muss was Wunderbares sein..." Text: Staatstheater Hannover |
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