SOUTH PACIFIC
Staatstheater Kassel
Premiere 24. Oktober 2009

27.10.2009 Waldeckische Landeszeitung 

Jede Melodie ein Ohrwurm 

„South Pacific“ • Gefeierte Musicalpremiere im Kasseler Opernhaus 

von Thomas Kobbe

Sicher, der begeisterte Applaus des Premierenpublikums ist schon ein verlässlicher Gradmesser. Aber noch mehr über den Erfolg einer Aufführung sagt es aus, wenn einem die Lieder das ganze Wochenende über nicht mehr aus dem Kopf gehen. Verantwortlich: Kai Tietje mit seinem Orchester. Sie züchten in bestem Big-Band-Sound Ohrwürmer: „A Cockeyed Optimist“, „I ’m Gonna Wash That Man Right Outa My Hair“, „Younger Than Springtime“ und „Some Enchanted Evening“, das in jedes ordentliche Frank Sinatra-Konzert gehörte. „South Pacific“ im Kasseler Opernhaus: Das ist ein Paradebeispiel für zeitlos (ein-)gängige Musik. Dabei trennen mehr als 60 Jahre und fast 10 000 Kilometer Epoche und Ort der Handlung von der Gegenwart: Ein US-Marinestützpunkt auf einer Insel im Süd-Pazifik während des Zweiten Weltkriegs. Nellie, eine amerikanische Krankenschwester, trifft auf den französischen Plantagenbesitzer Emile de Becque. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Daneben handelt Bloody Mary mit Kuriositäten und hält für jeden neuen Maat die Legende vom exotisch-erotischen Treiben auf der Nachbarinsel Bali Ha’i parat.

Was Richard Rodgers mit seinen Kompositionen gelingt, schafft Pulitzer-Preisträger James A. Michener, der die Textvorlage schrieb, zum Glück nicht mehr. Die 1949 bei der Uraufführung sicher auffälligen zeitkritischen Töne im Südsee-Musical sind als solche kaum noch wahrzunehmen. Die Vorbehalte gegen vermeintlich unzivilisierte Insulaner, die in Nellies Entsetzen über die erste Ehe Emiles mit einer Polynesierin gipfelt, erscheinen heutzutage als überholte moralische Werte. Erfolgsgaranten der Kasseler Inszenierung, erst der zweiten in Deutschland überhaupt, sind die Musical-Profis Kristin Hölck (Nellie), André Bauer (Emile) und die Sopranistin Lona Culmer-Schellbach (Bloody Mary). Zusammen mit dem vielköpfigen Ensemble, das aus tanzenden Popeye-Matrosen, steifen Kommandeuren und weiblichen Fähnrichen in Bikini-Prototypen (Kostüme: Judith Peters) besteht, verwandeln sie die der schnellen Szenenfolge gut angepasste Bühne (Mathias Fischer-Dieskau) in ein Atoll famoser Abendunterhaltung.

 

 

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