SOUTH PACIFIC
Staatstheater Kassel
Premiere 24. Oktober 2009

HNA, 25.10.2009 

Große Gefühle unter Palmen

Die Premiere des Musicals "South Pacific" am Staatstheater Kassel wurde mit Ovationen aufgenommen

Kassel. Alles andere als eine musikalische Sparvariante bekam man bei der Kasseler Premiere des Musicals "South Pacific" serviert. Ein satter, süffiger, auch mal herzhaft bombastischer Sound fegte durchs fast ausverkaufte Opernhaus.

Das Staatsorchester Kassel hat viel Erfahrung im verwandten Genre der Filmmusik und lieferte unter der sehr ausgeschlafenen Leitung des Gastdirigenten Kai Tietje ein perfektes Klanggewand für das klassische Broadway-Musical. Aber nicht nur deshalb wurde die Premiere zum Riesenerfolg mit minutenlangen Ovationen des Publikums.

Das Stück, in den USA überaus erfolgreich, bei uns weniger bekannt, enthält eine hohe Ohrwurmdichte mit beinahe ariosen Melodien wie dem schmeichelnden "Some Enchanted Evening" oder dem exotischen "Bali Ha'i". Nicht weniger reich ist die Thematik des während des Zweiten Weltkriegs im südlichen Pazifik angesiedelten Musicals. Liebesgeschichten, Kritik an rassistischen Vorurteilen, auflockernd burleske Einlagen und Auftritte der Militärs mit (etwas lang geratenen) Sprechpassagen - all dies haben die Textautoren Oscar Hammerstein II und Joshua Logan mit dem Komponisten Richard Rodgers zu einer Szenenfolge von geradezu filmischer Kontinuität verarbeitet.

Altmodisch im besten Sinn, ohne aktualisierende Gags, ist die Kasseler Version von Matthias Davids (Inszenierung), Mathias Fischer-Dieskau (Bühne), Simon Eichenberger (Choreografie) und Judith Peters (Kostüme). Und sie bringt den gleichsam filmischen Fluss bestens rüber. Ohne Tempoverlust geht es von einer Szene zur nächsten. Da wird etwa die Terrasse des Plantagenbesitzers Emile de Becque rasch zur Seite gefahren, schon ist man mitten im Trubel der US-Soldaten. Mobile Palmen gibt es ebenso wie Projektionen, die mal ein Meerpanorama, mal einen Hafen, mal die wilde Exotik der benachbarten Trauminsel Bali Ha'i zeigen.

Hohe Professionalität auch bei den Darstellern: Kristin Hölck, eine starke Sängerin bei Balladen wie beim Schmissigen, spielt die Krankenschwester Fähnrich Nellie Forbush mit quirligem Temperament. André Bauer lässt als kultivierter Franzose Emile de Becque eine sonore wie leicht geführte Baritonstimme hören. Fürs Burleske zuständig sind Philippe Ducloux als Marinepionier Luther Billis und Lona Culmer-Schellbach als Kuriositätenhändlerin Bloody Mary. Ducloux zeigt neben einem Respekt erheischenden Oberkörper viel Spielwitz, in einer besonders lustigen Szene auch ein astreines Falsett. Culmer-Schellbach singt mit warmer Opernstimme, tanzt temperamentvoll und darf wahre Hammer-Sätze in die Runde werfen: "Hey, Lutellan. Du verdamm' sexy Mann!"

Diese Anmache gilt dem jungen Lieutenant Cable, hier gespielt von Matthias Stockinger - ein smarter Sympathieträger mit lyrischem Tenor. Unter den vielen Rollen noch zu erwähnen: Herwig Lucas als schneidiger Inselkommandant Brackett, Meriam Lounifi als exotische Schönheit Liat sowie Seu-Hyun Ahn und Leon Demuru als Emiles allerliebste Kinder.

Von Georg Pepl

 

 

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