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IL
VIAGGIO A
REIMS
(DIE REISE NACH REIMS) Weser Kurier, 22. 4. 2010 Rossinis absurde Oper "Die Reise nach Reims" in Hannover VON MARKUS WILKS Wenn eine Reise ausfällt, kann das ärgerlich sein. Oder so amüsant wie in Gioacchino Rossinis Oper "Il viaggio a Reims". Dieses absurde Stück über eine misslungene Tour zur Krönung des französischen Königs kam in der Staatsoper Hannover zu einer umjubelten Premiere. Dank der witzigen Inszenierung und des spritzigen Dirigats (Gregor Bühl) eine hinreißende Rossini-Gaudi. Matthias Davids (Regie), Marina Hellmann (Bühne) und Leo Kulaš (Kostüme) haben Rossinis auf einen zeitgenössischen Anlass hin komponierte Oper überaus kreativ in unsere Zeit transferiert und Warteszenen auf dem Aéroport Charles X konstruiert. Mit nie nachlassender Einfallskraft arrangierte das Regieteam sämtliche Szenen nicht nur amüsant, sondern fand einen perfekten Spagat zwischen der Darstellung echter Gefühle und albernen, aber immer sehr charmanten Vorgängen. Da waren übertriebenes Pathos und Komödiendetails fein abgestimmt. Wie beispielsweise Marchese Melibea und Graf Libenskof von ihren Hormonen zu Liebestaten beflügelt werden, war zugleich erotisch und witzig, ohne dass dabei nackte Haut vonnöten gewesen wäre. Man inszeniert Rossinis absurde Oper als große Show, in der eben nicht alles logisch und korrekt sein muss. Gerade auch Bremer Opernliebhabern, die vor kurzem am Goetheplatz Rossinis "Barbier von Sevilla" gesehen haben, sei ein Ausflug in die Staatsoper Hannover empfohlen, um einen "anderen", manchmal gar atemberaubend spritzigen Rossini zu erleben. Selbst wenn in Hannover nicht alle Rollen mit Rossini-Spezialisten besetzt werden können, hat hier jede einzelne Figur Format, überzeugte in der Premiere jeder Sänger mit seinem szenisch-musikalischen Beitrag. Exemplarisch für die Einschätzung, dass "Il viaggio" auch ohne Weltstars funktioniert, soll Frank Schneiders erwähnt werden: Er lieferte als Professor Don Profondo eine große Show ab, ohne das so typische Rossini-Parlando zu beherrschen. Oder Ivan Turšic als Möchtegern-Frauenschwarm Belfiore, der sich an der Grenze zwischen meisterhafter Stimmberrschung und Tenorkarikatur bewegte, insgesamt eine blendende Komödienfigur abgab. Den stärksten Zwischenapplaus bekam Nicole Chevalier, die als durchgeknallte Modeliebhaberin Folleville mit irrwitzigen Koloraturen und Ausflügen in die vokale Stratosphäre glänzte. Köstlich auch, wie Matthias Davids ihre und andere Koloraturen inszenierte. Wie man Rossini dirigieren sollte, bewies der frühere hannoversche Kapellmeister Gregor Bühl bei einem Gastspiel. Lange hat man das Staatsorchester nicht so aufmerksam gehört.
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