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IL
VIAGGIO A
REIMS
(DIE REISE NACH REIMS) Neue Presse, 12. April 2010 Ein Flughafen voller Narren Herrlich überdreht: Die Staatsoper hat Rossinis rare Oper "Die Reise nach Reims" erfolgreich wiederbelebt. Zehneinhalb Minuten Premierenapplaus. VON HENNING QUEREN Die Ouvertüre könnte nicht verrückter sein: „Diese Oper hat zwölf Notausgänge. Die sind gekennzeichnet durch braune Türen.“ Eine Stewardess macht vor dem Vorhang das übliche Security-Ballett, das vor jedem Flug steigt. Man möchte doch bitte Programmhefte und Handys unter den Sitzen verstauen. Willkommen an der Bord der Rossini-Airlines zu einem überaus vergnüglichen Zweieinhalbstundentrip. Die Staatsoper hat Rossinis selten aufgeführte „Reise nach Reims“ mit einem Humor aufgetankt, der so wirkungssicher abbrennt wie eine Ladung Kerosin – angezündet von Regisseur Matthias Davids, der hier auch schon das „Weiße Rössl“ auf Trab gebracht hatte. Filet-Stücke Rossini hat seine letzte italienische Oper eigentlich nie so richtig gemocht, erst 1984 wurde sie wieder rekonstruiert. Geschrieben für die Krönungsfeierlichkeiten von Karl X., hat er sie später filetiert und für andere Stücke genutzt. Kein Wunder, denn in dieser Oper passiert eigentlich nicht allzu viel: Einige illustre Reisende treffen in einem Gasthof zusammen und wollen nach Reims zur besagten Krönung. Und? Und nichts. Mehr passiert hier nicht, man kommt nicht weg, weil es keine Pferde mehr gibt. Oder weil alle Flüge gecancelt sind: Das ist der Kunstgriff in Hannover. Die Oper wird komplett auf den durchaus gegenwärtigen Flughafen „Charles X“ verlegt. Und es geht erstaunlicherweise komplett auf bis in feinste Details. Rossini hat einen Käfig voller Narren, von dem auch gesungen wird, auf der Bühne versammelt. Baron di Trombonok (Shavleg Armasi) kommt als typischer Deutscher daher, an diesem Abend als Mooshammer. Don Prudenzio (Young Myoung Kwon) ist ein durchgeknallter Arzt, Graf Libenskof (Sung-Keun Park) ein bäriger Russe (in Generalsuniform). Jede Nationalität wird, wie der britische Lord (Tobias Schnabel), von Komponist und Regie mächtig durch den Kakao gezogen. Vorsichtig und verantwortungsbewusst wurde der Text an manchen Stellen und zum größeren Gaudium der Zuschauer in die Gegenwart geholt. Und was in Hannovers Ensemble an schauspielerischer Komik steckt, machte auch dieser Abend deutlich. Wenn da beispielsweise zu den aberwitzigen Rossini-Koloraturen abgehottet wird. So macht „Let’s Dance“ Spaß. Dirigent Gregor Bühl hielt die Oper mit Übersicht und Vorsicht in der Luft, vermied durch eher verhaltene Tempi mögliche Turbulenzen – und war den Sängern (koloraturensicher auch Ania Vegry als Madama Cortese, Monika Walerowicz als Marchesa Malibea und Frank Schneiders als Don Profondo) ein zuverlässiger Flugbegleiter. Riesenjubel für das komplette Regieteam. Und das Ende per Übertextanlage, dass man doch bitte nichts im Flieger vergessen möge. So macht Rossini richtig Spaß. Bewertung: *****
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