| "musicals"
April 2003, Angela Reinhardt
In St. Gallen war ein Regisseur am
Werk, der das Stück nicht nur in- und auswendig kennt,
sondern der es augenscheinlich sehr liebt. Matthias Davids
ergründet jede Nuance der Liebe zwischen Kim und Chris, und
selbst als sie nicht mehr beieinander sind, lässt er die
Erinnerung daran in ihren Gesichtern aufscheinen. Außerdem
hat Davids all die Szenen entkitscht, in denen Gefühlspathos
und asiatische Lotusblüten-Niedlichkeit bisweilen
überzuschwappen drohten. (...) Das Ergebnis wirkt jedenfalls
glaubhafter als in Stuttgart. (...) Die erste freie
deutschsprachige Inszenierung des Musicals steht der deutschen
Erstaufführung keinen Deut nach. Eigentlich ist sie besser. Ganze
Kritik
|
"St. Galler Tagblatt"
10.2.03, Bettina Kugler
Unter die laute, grell-fröhliche
Szene mischen sich Töne der Selbstreflexion: Im Bild oberflächlichen
Amusements nimmt sich das Genre kritisch unter die Lupe. (...) Die
Messlatte liegt hoch, und Davids weiß
sie durch szenische Verdichtung zu unterlaufen. Auch wenn die
Technik stolz präsentieren
kann, was in einem Dreispartenhaus möglich ist, richten
Davids und Callaghan ihr Augenmerk vor allem auf die Figuren.
Mit ihnen inszenieren sie das Chaos des Kriegs und der Gefühle,
das nur durch Drill und Militärchoreografie zu bändigen ist
- oder im Tod den letzten Ausweg findet. Wo es die Partitur möglich
macht, zeigen sie das Verwundungspotenzial des Kriegs. (...)
Das Publikum sprang auf und ließ sich mitnehmen. Ganze
Kritik
- Vorbericht
vom 5.2.03
|
"Neue
Zürcher Zeitung" 10.2.03, Jürg Huber
Für die Schweizer Erstaufführung findet
das Regieteam mit Matthias Davids an der Spitze immer wieder
präzise Bilder, die den Vietnamkrieg nicht einfach zur
Staffage degradieren, sondern die konflikthafte Beziehung
zwischen privaten Sehnsüchten und sozialer Realität betonen.
Gewichtigen Anteil am Gelingen hat die Drehbühne
von Hans Kudlich: Ein rauchendes Flugzeugwrack sorgt dafür,
dass Gefühligkeit nur selten aufkommt. Der Choreograph Dennis
Callahan arrangiert die Massenszenen suggestiv, derweil Noëlle
Blancpains Kostüme klare Akzente setzen. Das Premierenpublikum bedankte sich mit Standing Ovations
für eine Aufführung, die unter die Haut geht und sich in den
Hirnwindungen festsetzt. Ganze Kritik
|
|
"Der Landbote" 10.2.03, Herbert Büttiker
Der Regisseur Matthias Davids gibt allem ein
klares Relief, den anrührend-zarten und den drastischen
Momenten. Ein Höhepunkt bewegter und bewegender
Inszenierungskunst ist dann jene Szene in der US-Botschaft,
bei der in einer dramatischen Aktion die letzten Amerikaner
aus Saigon ausgeflogen werden und sich Kim und Chris
verlieren.
"Thurgauer Zeitung" 14.2.03, Gerhard Hellwig
Seiten könnte man mit den Einsichten
und Einfällen der Inszenierung füllen. Nachhaltig dürfte
der Eindruck sein, wie gekonnt Liebe, Sex, soziale Not, die
Sehnsucht nach Ordnung, die martialische Widerwärtigkeit, das
Schicksalhafte homogen vor Augen geführt werden. So ist sie,
diese unsere Welt, fokussiert in der neuen Fassung des
Musicals "Miss Saigon". |
"Südkurier" 12.2.03, Alexia Sailer
Der Blick auf das Wesen der skizzierten
Menschen abseits ihrer Rolle im Weltgeschehen gelingt - eben
durch den Verzicht auf aufwändige, ablenkende technische
Spielereien. Davids´ Figuren vermögen die gesamte
Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu bündeln. Die Brüche
des gemäßigten Rhythmus dieser "Miss Saigon"
schaffen es, manches plakative Rollenbild a lá Musical zwar
ein Stückweit aufrecht zu erhalten, jedoch nie ins
lächerlich übertrieben Pathetische abgleiten zu lassen. |
"musicalcocktail"
März 2003, Sonja Frischknecht
Zum positiven Gesamteindruck trägt die
aufmerksame Regie bei, die weiß, was sie mit ihren
Hauptfiguren anfangen soll. Regisseur Matthias Davids scheint
hier auf dem richtigen Posten zu stehen. Er versteht es,
konfliktreiche Situationen wie die aussichtslose Liebe mit
viel Spannung und gefühlsbetonten Effekten darzustellen.
(...) Beeindruckend auch das Bühnenbild von Hans Kudlich. Die
Trümmer der Liebe und die Trümmer der Gewalt, diese visuelle
Idee in einem Bühnenbild zu vereinigen, ist fantastisch
gelungen. Alle Schauplätze werden durch eine begehbare
Skulptur verbunden und somit lässt der Regisseur mit seiner
Inszenierungskunst den Schwerpunkt um eine große Liebe, die
entbrennt, hofft, kämpft und leidet, in die Figuren fließen
und nicht in die technischen Effekte. |