MARTIN Luther
Domstufenfestspiele Erfurt - Uraufführung

Vorbericht Thüringer Allgemeine 18.01.08 
Vorbericht Thüringer Allgemeine am Tag vor der Premiere

Martin L. Superstar. In der Tat steckt in dem Werk des erfolgreichen Musical-Autorenteams Oystein Wiik (Libretto) und Gisle Kverndokk (Musik) viel künstlerische Potenz, die "Martin L." in Erfurt vielleicht einen Platz zuweisen könnte, wie ihn der "Jedermann" in Salzburg behauptet. Selten nahm die wunderbare Kulisse von Mariendom und St. Severi ein Werk so selbstverständlich an, selten gaben sich die berühmten Stufen so spieltauglich und sinnfällig. "Martin L." bedeutete den versprochenen großen Moment für Erfurt. Regisseur Matthias Davids und Ausstatter Knut Hetzer sprechen eine gemeinsame Sprache, wenn sie - nicht nur der dezent illuminierten, überdimensionierten Nägel als Ausdruck des Gewissenkonflikts wegen - die römische Kurie mit Papst Leo X. (Charlie Serrano) an der Spitze in Golfbuggies auffahren und stepptanzend das süße Leben loben lassen. Die komplexe Dramaturgie im versöhnenden Geiste des Psalm 23 zu beschließen, ist fast eine göttliche Eingebung zu nennen. Thüringer Allgemeine 6.7.08 Ganzer Artikel

Der Reformator als Musical-Held. Das Philharmonische Orchester, der Chor, eine Rockgruppe und die Sänger um den Norweger Yngve Gasoy-Romdal in der Titelrolle gaben ihr Bestes, und so war ein anspruchsvolles, modernes Musical zu sehen, das im Grunde Heterogenes zu verbinden suchte: Rockmusik und Lautenspiel aus der Renaissance, Anklänge an klassische Musik und Luthers Kirchenlied «Ein feste Burg ist unser Gott». PR inside, 6.7.08 - Ganzer Artikel 

Gewiiterdräuen. Øystein Wiik (...) zaubert eine Lutherinterpretation auf die Stufen zwischen Dom und St. Severikirche, die die Lust auf Unterhaltung, Aufklärung und Diskurs bedient. Weltgeschichtlichen Bewegungen entsprechen innere. (...) Matthias Davids inzeniert diese hochkomplexe und intensive Geschichte in einer gelungenen Balance, die oberlehrerhafte Belehrung vermeidet, ohne die Tiefe und Dichte zu verraten. Nutzen und Frommen der Historie, ohne übliche Patina und langweilenden Staub. Die Musik von Gisle Kverndokk kongenial. opernnetz.de - Ganzer Artikel

Der norwegische Sänger Yngve Gasoy-Romdal besticht als Martin Luther auf den Stufen des Erfurter Doms. Eindrücklich die Kulisse: Vor den beiden katholischen Kirchen auf dem Hügel hat Knut Hetzer 14 mehrere Meter hohe Nägel montiert, die die Stufen spalten. Mit aufwendiger Lichtanlage werden sie mal zu Blitzen, mal zur Kanzel, reflektieren rot die blutigen Bauernkriege oder versinken in romantisches Blau beim Liebesduett. Regisseur Matthias Davids gelingt es mit den rund 70 Darstellern, den großen Treppenaufgang immer wieder mit neuem Leben zu füllen. Die Spanne reicht vom mittelalterlichen Markt bis zum päpstlichen Golfplatz. Unbestrittener Höhepunkt ist der Auftritt des vergnügungssüchtigen und geldgierigen Papstes Leo X, der mit seinem Gefolge in Golfwagen auf die Bühne fährt. Die Swing-Nummer mit der Liedzeile «Was für ein prächtiger Tag» erinnert an Chorus Line. Die Metapher, der Ablass sei ein «Hole in one» (Einlochen mit einem Schlag), ist genial. So macht die Geschichtsstunde Spaß. dpa 6.7.08 Ganze Kritik 

Inszenierung, Ausstattung und Choreographie erreichen den Rang einer wunderbaren Augenweide. Die Treppenbühne vor der herrlichen Kulisse ist mit 14 riesigen, teilweise erklimmbaren Nägeln ausgerüstet, die an die Stahlstifte erinnern, mit denen Luther die Thesen an der Wittenberger Kirchentür befestigt haben soll. Regisseur Matthias Davids nutzt den gesamten Raum zu präzise gegliederten, ausfüllenden Szenen und beschenkt den Zuschauer mit effektvollen Bildern sowie faszinierenden Lichtstimmungen. Davids glänzt mit einem höchst originellen Einfall, der zwar überhaupt nicht in die Inszenierung passt, doch der Aufführung einen Glanzpunkt beschert: Der Papst bewährt sich als Golfer und bewertet den Ablasshandel als ein „Hole in one“, also ein best mögliches Resultat. Hier steppt seine Heiligkeit, und Schranzen schwärmen aus, um die Bälle einzusammeln. Fuldaer Zeitung, 6.7.08

Furios ist das Stück, weil der abwechslungsreich illuminierte Dom nebst Severikirche als Kulisse nicht zu übertreffen ist, wenn Männer von Welt in ein schicksalhaftes Gewitter geraten, wenn aufgebrachte Volkshorden sich auf einer tatsächlich gewaltig hohen Balustrade zusammenrotten, oder wenn Bauer und Fürstenlandsknecht aufeinander losgehen. (...) Wir sehen, wie Papst Leo X. Böses gegen L. im Schilde führt und gleichzeitig seinen Abschlag trainiert. Die Domfassade ist derweil mit päpstlich erleuchteten Golfbällen wie übersät. Dass Caddy-Wagen und das berühmte Papamobil einander ähneln, gibt dem Witz Bodenhaftung.  Frankfurter Rundschau, 6.7.08 

Fest der Bilder. 14 riesige Nägel sind auf den Erfurter Domstufen "eingeschlagen". Sie verwandeln sich gemeinsam mit Dom und Severikirche in die atemberaubend schöne Kulisse für "Martin L. - das Musical". Von modern-witzig bis anspruchsvoll-biografisch spannt sich der Bogen des Musicals (Regie: Matthias Davids). Es ist ein Fest der Bilder (Bühnenbild, Kostüme: Knut Hetzer), es besticht mit pfiffigen Details und setzt bewusst Brüche. Wohl selten ist Luther einem menschlich so nah gekommen und hat soviel Vergnügen bereitet - "Martin L." sei Dank. Das Publikum - darunter Fans auf Norwegen - honorierte mit viel Beifall. Ostthüringer Zeitung, 7.7.08

Hole in One - der Papst spielt Golf. „Martin L.“, das Musical über die jungen Jahre des großen Wittenberger Reformators, erlebte am Samstagabend auf den Erfurter Domstufen vor einem begeisterten Publikum seine Welturaufführung. Viel war im Vorfeld darüber diskutiert worden, ob es denn in einem Musical redlich sei, die Biografie einer solch großen historischen Figur durch eine erfundene Liebesgeschichte aufzupeppen. Nach der Premiere lässt sich sagen: Øystein Wiik geht in diesem Punkt mit dem Stoff souverän um und bindet die Mär von Ursula (Petra-Madita Kübitz) plausibel und unterhaltsam in die Biografie ein. Sie verleiht dem Stück am Beginn die spielerische Leichtigkeit, die dem Genre eigen ist. Der geradezu geniale Höhepunkt der Inszenierung ist der Auftritt von Papst Leo X und seinem in Rot gewandeten Gefolge. Hier werden die Geldnöte der römischen Kurie beleuchtet und die Mittel, mit denen sie sich Geld zu verschaffen gedenkt. In einer wunderbaren Swing-Parodie auf die Textzeile „Was für ein prächtiger Tag“ demonstrieren die in Golf-Wagen vorfahrenden päpstlichen Golfspieler, dass die Idee eines Ablasshandels doch ein „Hole in one“, ein Einlochen mit einem Schlag, sei. Freies Wort, 7.7.08

 

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