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DER
MANN VON
LA MANCHA Südkurier, 24.12.09 „Der Mann von La Mancha“ im Theater St. Gallen Von Peter E. Schaufelberger Die Windmühlen muss sich das Publikum dazudenken, genauso wie das Schloss, in dem Don Quixote zum Ritter geschlagen wird, das klapprige Pferd und Sancho Pansas störrischen Esel, die Landschaft Spaniens. Denn die ganze Geschichte um den „Mann von La Mancha“ spielt in einem düsteren, verwinkelten Verlies, zwischen Mauern mit zahlreichen höhlenartigen Schlupflöchern und Treppen, die nach irgendwo führen (Bühnenbild: Mathias Fischer-Dieskau). Cervantes, der Dichter, aus politischen Gründen eingekerkert, wartet hier mit einem Diener auf seinen Prozess, muss zuvor jedoch vor dem Gericht seiner Mitgefangenen bestehen. Er tut dies, indem er selber in die Figur des Ritters schlüpft, sich mit jedem Kleidungsstück und mit jedem Teil seiner schlottrigen Rüstung Statur und Haltung des hohlwangigen Träumers aneignet – Andreas Lichtenberger schafft es in dieser Doppelrolle, seine gesamte Umgebung in diese Verwandlung einzubeziehen und das Publikum in sein Träumen einzuspinnen. Theater im Theater auf zwei Ebenen, doch so geschickt ineinander verflochten, dass spätere Verwandlungen und Rückverwandlungen kaum merklich ineinander übergehen. Und genau so behutsam gestaltet Regisseur Matthias Davids die Übergänge von Tragik zu Komik, von visionärem Irresein zu anrührender Überspanntheit. Don Quixote mag bisweilen lächerlich wirken, mag in der gewalttätigen Umgebung, in der Davids das Geschehen zu nackter Brutalität steigert, völlig verloren scheinen – etwas von seinem bei aller Verrücktheit liebenswürdigen Versponnensein liegt über der ganzen Aufführung und verhindert, dass einzelne Szenen in weinerliche Sentimentalität abgleiten. Das freilich ist auch das Verdienst der Sänger-Darsteller, allen voran natürlich das von Andreas Lichtenberger, der Don Quixote mit soviel Überzeugungskraft spielt, als sei er wirklich der stolze „Ritter von der traurigen Gestalt“. Ihm zur Seite der rundliche Sancho Pansa von Mark Hammann, mit beiden Beinen auf dem Boden stehend und dennoch unbeirrbar in seiner treuherzigen Anhänglichkeit. Sophie Berner spielt zwar die ordinäre, von ihrer grobschlächtig-gefühllosen Umgebung geprägte Seite der Hure Aldonza unzimperlich aus; besonders berührend aber gestaltet sie das aufkeimende Ahnen eines andern, besseren Seins, wie Don Quixote in ihr die edle, keusche Dame, seine Dulcinea, sieht. Dazu kommen ein verschmitzter, aller Spielarten des Lebens kundiger Priester (Charlie Serrano), ein Gouverneur, der in der Geschichte um den Ritter zum Schenkwirt und Kastellan wird und die Torheiten seines Gastes gutmütig mitspielt (Markus Raab) und der Arzt und Herzog, der um die Mitgift der von ihm begehrten Nichte Don Quixotes fürchtet und alles unternimmt, diesen zu kurieren und in seine richtige Existenz als Alonso Quijana zurückzuholen (Andreas Kammerzelt). Sie alle tragen zusammen mit einem engagierten Ensemble und etlichen Mitgliedern der Tanzkompanie zu einer rundum gelungenen, ebenso kurzweiligen wie nachdenklich stimmenden Aufführung bei, die auch musikalisch überzeugt. Was nicht nur den bemerkenswerten sängerischen Leistungen zuzuschreiben ist, sondern auch dem Sinfonieorchester St. Gallen unter Christoph Wohlleben, das die farbige, von den Bläsern dominierte Partitur bald zupackend, bald lyrisch versponnen ausdeutet.
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