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INTO THE
WOODS HNA, 01.11.2010 In Kassel wurde das Musical „Into the
woods – Ab in den Wald“ bei der Premiere mit Jubel
aufgenommen. Nach dem Happy End geht’s los Kassel. Der Riese da oben raucht. Er wirft seine Zündhölzer, leere Streichholzschachteln und brennende Kippen auch gern mal runter auf die Erde. Da sieht der Wald dann aus wie ein Magritte-Bild, und die Menschlein rennen und irren darin umher auf der Suche nach dem Glück. Von JULIANE SATTLER Im Märchen gibt es den Zauberwald, hier zwischen den düsteren Streichholzstämmen ist alles ein Selbstfindungsprogramm geworden. Unbestritten ist Stephen Sondheim eine Ikone des Musiktheaters Amerikas. Seine Stücke setzen dramaturgisch und musikalisch raffiniert mit anspruchsvollen Songtexten auf den Dialog mit dem intelligenten Zuschauer. In Kassel hatte sein „Into the woods - Ab in den Wald“ Premiere, ein Musical auf der Grundlage des Buches von James Lapine, das die grimmschen Märchenfiguren mit Bohnenstangen-Hans aus dem englischen Volksmärchen „Jack and the beanstalk“ verbindet und zugleich eine Geschichte vom kinderlosen Bäckerehepaar einflicht. Regisseur Matthias Davids („South Pacific“) entwickelt aus diesem verschachtelten Plot im Kasseler Opernhaus ein philosophisch-psychologisch grundiertes Märchen mit viel Witz und Dynamik, Parodie und Genre-Zitaten. Der fein ziselierten Choreografie von Simon Eichenberger gelingen dazu wunderbare Bildtableaus, so wenn im Wald der düsteren Möglichkeiten (Bühne: Mathias Fischer-Dieskau) die bunte Gesellschaft (Kostüme: Judith Peter) ausgelassen zur Musik tanzt. Der Fluch des Bäckerehepaars ist gelöst, das Glück ist greifbar. Zufrieden bis ans Ende der Tage - so enden Märchen, doch der Erzähler (Erwin Bruhn) klappt sein Buch nicht zu: „Fortsetzung folgt“. „Ab in den Wald“ heißt es auch im zweiten Akt, doch der ist böser und grausamer als der heitere erste. Denn im Grau des Alltags entstehen neue Begehrlichkeiten. Aschenputtels geliebter Prinz will mit Dornröschen fremdgehen, Rapunzel leidet an einer Depression. Selbst die Hexe hat das Hexen verlernt. Nichts ist, wie es war, und das Ende ist nicht immer gut. Selbst die Musik spiegelt das jetzt mit Dissonanzen. Matthias Davids ermöglicht eine neue Sicht auf alte Figuren und macht das Musical faszinierend vielschichtig. Es erzählt vom dunklen Wald des Unbewussten, von Kindheitsängsten und der Schwierigkeit, das Leben zu meistern. Da rennen dann die zwei Prinzen wie selbstverliebte Narzisse durch den Wald, das Duett der eitlen Herren (Serkan Kaya und Julian Looman) ist ein Höhepunkt der Drei-Stunden-Show. Toll aber auch, wie das kesse Rotkäppchen (Marianne Curn) sich der beiden Verführer-Wölfe erwehrt, sich die hässliche Hexe (Ann Christin Elverum) zum Catwalk-Model wandelt, das sanfte Aschenputtel (Lisa Antoni) sich beim Erbsenzählen selbst Mut zusingt und der redliche Bäcker (Detlef Leistenschneider) sich zum Schluss zum Propheten des Weltfriedens aufschwingt. In der sensiblen musikalischen Leitung von Alexander Hannemann folgen die Musiker mit Begeisterung den verschlungenen Faden der Partitur, keine Ohrwurm-Musik, aber darum besonders schön. Nach viel Szenenapplaus im ausverkauften Haus dann ein furioser Schlussbeifall und Standing Ovations.
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